Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

Vollanzeige Ärztebriefe

Gesucht wurde mit: Registereinträgen. Treffer: 1

Ärztebriefe
Besitzende Institution Stadtbibliothek <Nürnberg>
SignaturWill. III, 327. 2°, Nr. 7
BlattS. 3-5 (Bl. 17r-18r)
Genre Brief allgemein
KorrespondenzArzt an Arzt
Person VONCamerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANCrato von Krafftheim, Johannes <1519-1585> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen2 1/4 S.
Entstehungszeit22.04.1585
AbsenderortDresdae (Dresden) [gesichert]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradEigenhändiges Konzept mit Streichungen
Inhaltsangabe Camerarius hat zwei Briefe Cratos aus Prag durch Monau erhalten. Er gibt seine Antwort einem Landsmann Cratos mit, der in Antwerpen lebt. Camerarius muß einen Schreiber bemühen, da er nicht gesund ist: Wieder hat er den üblichen Katarrh und trockenen Husten. Er kann schlecht schlafen und hat Kopfschmerzen. Auch ein tertianartiges Fieber ist dabei. Es zeigen sich [aber] Zeichen der Verkochung, auch Schweiß, so daß auf Besserung zu hoffen ist. Das also sind die Früchte des Hoflebens, von welchem er sich bis zu den Pfingsttagen endlich zu befreien hofft. Er fürchtet, die Erkrankung durch seine hastige Reise zur Leipziger Messe noch verschlimmert zu haben, auf der er viele Dinge für andere erledigen mußte. Über Neuerscheinungen schreibt er nicht ausführlich, da er dort nichts Bedeutendes gesehen hat. Eine Ausnahme stellt der Kommentar des Pariser Arztes Chordaius zu Hippokrates' De morbis mulierum dar, den er aber wegen des hohen Preises von zweieinhalb Gulden nicht gekauft hat.
Daléchamps hat ihm kürzlich geschrieben, und er leitet Crato einen Teil dieses Briefes weiter. Trincavella hat niemals eine Edition seiner Konsilien veranstaltet - hätte er dies getan, würde er nicht so viele Worte machen. Sein eigenes botanisches Werk in deutscher Sprache wird hoffentlich zur nächsten Herbstmesse erscheinen - auch dies verspätet wegen seiner Verpflichtungen bei Hofe. Camerarius hatte gehofft, vom Kurfürsten etwas Unterstützung bei diesem Vorhaben zu bekommen, doch ist ihm eine sehr kühle Antwort zuteilgeworden. Er trägt dergleichen mit Fassung, denn Gott wird ihm eine andere Gelegenheit verschaffen. [Am Rand: Den Band seines Vaters mit Vermischten Problemen und den mit seinen Briefen will Camerarius baldmöglichst abschließen.]

Die Gesundheit [vermutlich: des Kurfürsten] ist ordentlich, er verläßt sein Zimmer nicht und geht nie nach draußen; ob das gut ist, weiß C. nicht. Der braunschweigische Arzt, der auf Skorbut erkennt, ist wieder am Hof; Camerarius widerspricht ihm nicht, obwohl diese Krankheit [in Sachsen] recht selten ist. Er selbst vermutet, daß noch andere verborgene Erkrankungen im Spiel sind.

[Es folgen verschiedene Mitteilungen zur Botanik, die Bestätigung eines Schreibens Cratos (z.T. unleserlich) und die Nachfrage nach einem Dialog Moffets.] Bezüglich Esrom [Rüdingers] geschehe der Wille Gottes. [Unsicher:] Mitleid mit [Thomas] Jordan, der ihm gegenüber oft über seinen unbegabten Sohn geklagt hat, doch konnte Camerarius nicht helfen. An Leuchamerus hat er im vergangenen Jahr geschrieben, als dieser ihm von Esroms Misere berichtet hatte. Er macht sich weiterhin Gedanken, wie er ihrem Freund helfen könnte. Wenn sich aber dieser auch nicht so sorglos in die Politik eingemischt hätte!

(Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenWill. III, 327. 2° = "Joachimi Camerarii medici commercium epistolicum, epistolae XXIII, 1561-1598". Das Konvolut enthält im einzelnen: Nr. 1-5 = Bl. 10: Originalbriefe an Joachim Camerarius I. und II.; Nr. 6-8 = Bl. 11-23 (tw. auch separat paginiert): Reste eines eigenhändigen Briefkopierbuchs des jüngeren Camerarius; Nr. 9-14 = Bl. 24-33: Originalbriefe an Joachim Camerarius II.

Das Original dieses Briefes ist in der BU Wrocław nicht erhalten.

Daléchamps hat ihm kürzlich geschrieben: Erlangen, Trew, Dalechampius Nr. 10 = diese Datenbank, Brief Nr. 33489

Den Band seines Vaters: Beide genannten Verlagsprojekte konnten erst wesentlich später (1594 und 1595) abgeschlossen werden.

Der braunschweigische Arzt: Andreas Bacher; vgl. Camerarius an Crato, 19.3.1585 (= diese Datenbank, Brief Nr. 10046), Bl. 292r
Person ÜBERMonau, Peter <1551-1588> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
Daléchamps, Jacques <1513-1588> [Erwähnte Person] [gesichert]
Trincavelli, Vittore <1496-1568> [Erwähnte Person] [gesichert]
August <Sachsen, Kurfürst, 1526-1586> [Patient/in] [gesichert]
Moffett, Thomas <1553-1604> [Erwähnte Person] [gesichert]
Ruedinger, Esrom <1523-1590> [Erwähnte Person] [gesichert]
Jordanus, Thomas <1540-1586> [Erwähnte Person] [gesichert]
Bacher, Andreas <gest. 1616> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Leuchamer, Johannes <fl. 1575-1585> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Hippocrates <c. 460-370 v. Chr.> [Werktitel Person]
La Corde, Maurice de <16. Jh.> [Werktitel Person]
Mattioli, Pietro Andrea <1500-1577> [Werktitel Person]
Camerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Werktitel Person]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Werktitel Person]
WerktitelLiber prior de morbis mulierum
Kreutterbuch Desz ... Herrn D. Petri Andreae Matthioli
Ioachimi Camerarii Decuriae viginti unae symmikt¯on probl¯ematon Decvriae XXI symmikt¯on probl¯ematon
Epistolarum libri quinque posteriores
SchlagwortKrankheitsepisoden
Messe <Leipzig>
Skorbut
URL dieses Datensatzeswww.aerztebriefe.de/id/00056218 (Bitte beim Zitieren angeben).
Die Inhalte der Datenbank sind durch eine Creative Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 3.0 DE) geschützt.