Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Universitätsbibliothek <Erlangen>
SignaturTrew, Caspar Peucer I., Nr. 71
LiteraturEleonore Schmidt-Herrling (Bearb.): Die Briefsammlung des Nürnberger Arztes Christoph Jacob Trew (1695-1769) in der Universitätsbibliothek Erlangen, Erlangen 1940, 462 (Katalogeintrag); Svenja Wenning: Joachim II. Camerarius (1534-1598). Eine Studie über sein Leben, seine Werke und seine Briefwechsel, Duisburg 2015, 93-104 (zum Briefwechsel)
Genre Brief allgemein
KorrespondenzArzt an Arzt
Person VONPeucer, Caspar <I., 1525-1602> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANCamerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen2 S. + separate Adresse
Entstehungszeit25.04.1591 [a. St.; außen Eingangsvermerk vom 14.5.1591]
Absenderorto.O. [gesichert]
ZielortNürnberg [ermittelt]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe P. gratuliere C. dazu, dass er oft Gelegenheit habe, als Arzt zu praktizieren, und umso mehr gratuliere er ihm zu dem Geld, das er damit verdienen könne, sofern der Lohn seinen medizinischen Fähigkeiten angemessen sei – diesbezüglich gehe es C. jedenfalls besser als P.

P. sei sehr erfreut darüber, dass seine Söhne in bester Hoffnung auf den Besitz und das Erbe des Vaters sowie den guten Ruf des Großvaters aufwüchsen. C. solle nicht denken, dass es ihnen jemals an der Unterstützung mangeln werde, die für den eingeschlagenen Weg von Nöten sei.

P. bedaure den Tod von Esrom Rüdinger um der Kirche willen, beglückwünsche ihn jedoch auch, da er diesem wilden, undankbaren und wahnsinnigen Jahrhundert entkommen sei, in dem es nichts zu sehen gebe, was einem nicht Augen- und Kopfschmerz bereite – für P. sei dies noch schwerer anzusehen und zu ertragen als die lange Haftstrafe im Kerker.

Ferner beunruhige und reize ihn weiterhin jener furchtbare und gemeine Nürnberger Quälgeist (Vertumnus), der leichter und beweglicher sei als Luft: für die Universität sei er ein Unglück, doch sein Wahnsinn werde sich noch rächen.

P. habe zu Rüdingers Tod ein kurzes Epigramm verfasst, das er mit einem anderen von Gregor Bersmann diesem weihen werde. Sobald Bersmann seines fertiggestellt habe, werde P. beide an C. schicken. C. solle versichert sein, dass weder der Tod seines Vaters noch P.s Unglück, in das ihn Rüdingers Tod gestürzt habe, P. so sehr schmerzten, wie es ihn gequält habe, dass die Dichter jenem aufgrund des Aufruhrs und Aufstandes an der Universität kein angemessenes Totenopfer dargebracht und dass ihm Hieronymus Rauscher zweimal ins Gesicht gesagt habe, dass C.s Vater, wenn er am Leben wäre, am selben Ort sitzen werde, an dem P. festgehalten wurde. Es stehe fest, dass ein einstiger Freund P.s, der nunmehr verstorbene Marschall des Kurfürstentums Sachsen, sich über den Schwiegervater [Melanchthon] genauso geäußert habe. P. wisse mit Sicherheit, dass dies nicht falsch sei – er erinnere sich daran, wie groß die Bitterkeit am Anfang der Aufstände gewesen sei, angeheizt vom Wahn der Theologen.

Auf das Geld vom Kanzler Brandenburgs, Christian Distelmeyer, warte C. vergeblich. Jener habe P. in dessen Haus auf seine Fürsprache hin nicht nur einmal, sondern wiederholt per Handschlag versprochen, dass er mit Sicherheit in Kürze ein würdiges Ehrengeschenk schicken werde, wobei er sogar den Betrag genannt habe. Nach einiger Zeit habe P. den Säumigen ermahnt, der jedoch weder geantwortet noch etwas geschickt habe. Nun aber sei P. bezüglich des Versprechens vollkommen ohne Hoffnung, da jener öffentlich zugebe, die Seiten gewechselt zu haben und jetzt ein Feind der Orthodoxen zu sein.

P. habe dann einen anderen Plan gefasst und durch seinen Schwiegersohn Joachim Eger unter Fürsprache des großartigen Georg Belovius bei Barnim, dem Herzog von Pommern, erreicht, dass jener Rüdinger zu sich rufe und mit einem ehrenwerten Gehalt versorge, einzig für gelehrte Gespräche und die Sammlung von Meinungsäußerungen zu Religion und Politik – diese Wohltat aber habe Rüdingers Tod verhindert. P. habe sich dennoch beim Fürsten für dessen guten Willen, seine Wohltätigkeit und sein Mitgefühl bedankt.

Seinem Commentarius de praecipuis divinationum generibus, der jetzt zum zweiten Mal gedruckt werde, habe P. ein Vorwort hinzugefügt, da ihn die Verleumdungen und Lügen in den Schriften seiner Feinde gequält hätten. Er habe dem Buch selbst etwas hinzugefügt, zu dem er, sollte C. es zufällig lesen, gerne dessen Meinung und die der Freunde erführe. P. habe die Not dazu gezwungen, aber er habe damit niemandem schaden wollen.

P. hoffe ferner, dass der Wagen mit dem Bier, um den sich Kelner kümmere, C. wohlbehalten erreiche, falls die Lieferung nicht auf dem Transportweg durch die Treulosigkeit oder Nachlässigkeit der Fahrer verloren gehe.

C. möge von P. herzlich Hieronymus Baumgartner, den Bruder Philipp Camerarius, die Magister Georg Mauricius und Lorenz Dürnhofer sowie die übrigen Freunde grüßen.

PS: P. bitte C. darum, sich um P.s Enkel Hieronymus Schaller zu kümmern. Er vertraue darauf, dass jener mit Gottes Hilfe das Wohlwollen, das er erfahren habe, nicht nur bewahren, sondern sogar noch vergrößern werde – P. höre nicht auf, Gott darum zu bitten. Er sei ferner guter Hoffnung für den anderen [= Caspar Schaller], der dank der Wohltat des pfälzischen Kurfürsten in Heidelberg sei.

(Simon Roth / Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenEr sei ferner guter Hoffnung für den anderen: im Brief: altero, d. h. den Bruder des Vorgenannten; Peucers weiterer Enkel Caspar Peucer (III., Sohn des Sohnes Caspar Peucer II. [1552-1587]) scheidet somit aus und war zu diesem Zeitpunkt auch erst sieben Jahre alt.
URLUniversitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Briefsammlung Trew: Online-Zugang
 Schmidt-Herrling, Die Briefsammlung Trew (1940)
Person ÜBERRuedinger, Esrom <1523-1590> [Erwähnte Person] [gesichert]
Bersmann, Gregor <1538-1611> [Erwähnte Person] [gesichert]
Rauscher, Hieronymus <1517-1576> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Schaller, Hieronymus <III., geb. 1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Melanchthon, Philipp <1497-1560> [Erwähnte Person] [gesichert]
Distelmeyer, Christian <1552-1612> [Erwähnte Person] [gesichert]
Barnim <Pommern, Herzog, XII., 1549-1603> [Erwähnte Person] [gesichert]
Eger, Joachim <fl. 1556-c. 1591> [Erwähnte Person] [gesichert]
Below, Georg von <gest. 1589> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
Schaller, Caspar <fl. 1586-1591> [Erwähnte Person] [ermittelt]
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