Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Universiteit <Leiden> / Bibliotheek
SignaturBPL 246, Nr. 100
EditionshinweisIusti Lipsi epistolae. Pars I: 1564-1583. Hg. v. A. Gerlo, M. A. Nauwelaerts u. H. D. L. Vervliet, Brüssel 1978, 88-90, Nr. 23
Genre Brief allgemein
KorrespondenzArzt an Gelehrter
Person VONCamerarius, Ludwig <I., 1542-1582> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANLipsius, Justus <1547-1606> [Adressat/in] [gesichert]
Entstehungszeit09.01.1573 [Jahr ermittelt; Brief o.J.]
AbsenderortLipsiae (Leipzig) [gesichert]
ZielortJena [gesichert]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe L.s Schreiben sei wohlbehalten eingetroffen, doch könne C.s Vater zur Zeit aufgrund einer Erkrankung nicht antworten, die ihm besonders bei zunehmendem Mond zu schaffen mache. Mit Mühe habe er immerhin einige Zeilen an Ellinger geschrieben.

Über Frankreich wisse C. nichts Neues, außer daß dort alles sehr jammervoll stehe. Es gebe zahlreiche Gerüchte, denen man nicht recht trauen könne. Der hochgelehrte Dionysius Lambinus lebe nicht mehr: Zuerst sei auf Betreiben des dreckigen und unverschämten [Jacques] Charpentier Feuer in seiner Bibliothek gelegt worden, dann hätten ihm Mörder aufgelauert, schließlich sei er, während er sich im Haus eines Freundes versteckte, an gebrochenem Herzen gestorben. Hier sehe man, wie die Barbarei in großen Schritten nicht nur ihrer aller Lehrmeister zu Tode bringe, sondern auch verhindere, daß die Nachwelt von ihnen lerne. Bei dem Tragödiendichter äußere eine Frau, es gebe im Himmel den großen Zeus, der alles sehe [Soph. El. 174 f.]... Was solle man tun, wo schon ein gutes Herz in bösen Zeiten das halbe Verderben sei? Doch diese Mordbrenner würden weder in Frankreich noch in den Niederlanden imstande sein, eine neue Welt zu errichten: die Tochter der Zeit, die Wahrheit, werde zur gegebenen Zeit erscheinen. Doch C. klage, statt zu trösten... Andererseits verstehe sich L. ja selbst auf das Genre der Trostschrift.

C. übersende ein Gedicht über die Untat in Frankreich, die alles bisher Geschehene an Maßlosigkeit und Grausamkeit in den Schatten stelle. L. werde die Schreibart eines alten Mannes daran bemerken: Der Autor wolle angesichts der Zeitläufte unter dem Pseudonym Amans Quietis verborgen bleiben. Man werde von ihm vermutlich bald mehr von dieser Art lesen [die Hgg. vermuten - richtig: s. Bemerkung - Joachim Camerarius I. als Autor des Gedichts].

(Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenDie Hgg. verweisen zu Recht auf den seltenen Druck "Memoriae Gasparis Coligni insidiose interfecti", o.O. 1572, der Gedichte eines "A. Q. F." enthält. Ludwig Camerarius hat hier das geläufige Pseudonym seines Vaters Joachim (Anastasius Quaestor) zu "Amans Quietis fecit" umgedeutet.
Person ÜBERCamerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Ellinger, Andreas <1526-1582> [Erwähnte Person] [gesichert]
Lambin, Denys <1520-1572> [Erwähnte Person] [gesichert]
Charpentier, Jacques <1524-1574> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Werktitel Person]
WerktitelMemoriae Casparis Coligni Chastilonaei com[itis], ductoris classis Gallicae, pace iurata et reconciliata ubique gratia, in regiarum nuptiarum festivitate, una cum aliis ex nobilitate Gallica insidiose interfecti d. XXIV. m. vil. ann. Christi 1572
SchlagwortFrankreich
Bartholomäusnacht
Brandstiftung
Trauergedicht
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