Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Biblioteka Jagiellońska <Krakau> / Oddział Rękopisów / Berlinka
SignaturAutografy (K. 29), Camerarius II
LiteraturHelga Döhn: Die Sammlung Autographa der ehemaligen Preussischen Staatsbibliothek zu Berlin : Autographenkatalog auf CD-ROM, Wiesbaden 2005 (Katalogisat)
Genre Privatbriefe
KorrespondenzArzt an Verwandter
Person VONCamerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANCamerarius, Philipp <I., 1537-1624> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen2 S.
Entstehungszeit06.02.1569 [o.J.; Eingangsvermerk: 27. Februar 1569]
AbsenderortNorimbergae (Nürnberg) [gesichert]
ZielortStraßburg [gesichert]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe Dank für drei Briefe; der Bote ist derselbe. Ein Schreiben [Georg] Sturms mußte er einem anderen mitgeben. Er staunt, daß sein letzter Brief Philipp etwas harsch erschienen ist. Er wollte nur seine Sorge um Philipp ausdrücken. Daß dieser sich sorgt, versteht C., daß er über Beschwerlichkeiten klagt, läßt er aber nicht zu, denn Philipp hatte nie ein beschwerliches Schicksal. Was die Mutter dazu denkt, weiß Philipp. Was die Ausgaben betrifft, kennt er die Meinung des Vaters, der ihm dazu auch [wohl beiliegend] geschrieben hat. Wenn Philipp Sebisch einen Gefallen tun kann, so findet dies C.s Zustimmung, denn man kann ihm vertrauen. Hinsichtlich der Kleidung bleibt C. bei seiner Ansicht, Philipp solle alles auf später verschieben, was möglich sei. Er wird in Nürnberg dazu bessere Gelegenheit haben als anderswo. Auf die Bibliothek des Irenaeus [unklar] besteht weiterhin keine Aussicht. Wenn Philipp nach Nürnberg kommt, wird er ein Marderfell [zu tragen] nicht ablehnen, denn alle ihres Standes tun dies, nicht nur die Alten.

C. wüßte zu gerne, welche Schriften es sind, die sein Kollege [viell. Heinrich Wolf] herausbringen will. Vor den [Buch-]Händlern lobt er sie über alle Maßen und berichtet Unglaubliches von einigen [darin enthaltenen] Arzneien. Jetzt versucht er, sein Produkt überall an den Mann zu bringen.

Zu Philipps erstem Brief, der aber später ankam als der andere: Dank für die willkommenen Nachrichten über Neustetter. C. hat ihm auch in Philipps Namen gedankt, zumal er auch einen Brief ihres Vaters an Neustetter weiterzuleiten hatte. Wieviel Neustetter an Philipp geschickt hat, hat dieser C. nicht wissen lassen. Möge er auch sonst so viel Glück haben! Philipp soll jedenfalls aus den schon erwähnten Gründen über seine Rückkehr nachdenken. Über eine neuerliche Berufung des Vaters durch den Kaiser weiß C. nichts, und Crato glaubt nicht, daß sie in nächster Zeit erfolgen wird. Dafür ist Chytraeus jetzt in Wien, nachdem er den Vater in Leipzig besucht hat. Offenbar haben sie alles offen besprochen.

In Ungarn herrscht allgemeine Verwirrung, da einige Adlige zum transsylvanischen Herrscher übergelaufen sind. Die Übrigen werden weiter von den Türken ausgeplündert, deshalb kommt es auch nicht zu einer Versammlung in Preßburg. Wenn all dies stimmt, so werden noch größere Übel daraus folgen. Über Frankreich ist kaum etwas in Erfahrung zu bringen; nur einer war da, der das Heer d'Aumales (Domalius) gesehen haben will und sagt, in ihm befänden sich 5000 deutsche Reiter. Der Aufmarsch des Zweibrücker Heeres geht langsam voran. Angeblich haben einige deutsche Fürsten ihre Söldner aus Aumales Heer abberufen. Einige ihrer Fürsten wollen an Körper und Seele "libertini" sein, aber nicht im Sinne des lateinischen Wortes, sondern im kirchlichen Sinn (non quidem ut sermo Latinus sed Ecclesiasticus loqui solet). Bis dahin aber maßen sie sich ein Urteil über die ganze Welt an.

Philipps dritter Brief erfordert keine eigene Antwort. Dem Wolfgang von Rotenhan hat C. das Gewünschte ausgerichtet. Den Brief nach Würzburg hat er bestellt. Was Philipp vom Gewitter und dem Blitzschlag in den Turm schreibt, hat das Zeug zum Vorzeichen. Ein ähnliches Unwetter gab es um die vergangene Jahreswende sowohl in Konstantinopel als auch in Rom. Der Brand scheint auch dem Stuttgarter etwas anzudrohen. Aus den Niederlanden gibt es nichts Genaues, außer daß das Land von dem neuen Wüten der Spanier erfüllt ist. Wenn Philipp ihm drei französische Bücher über den Bürgerkrieg kaufen könnte, täte er ihm einen großen Gefallen. Er soll dabei nicht sparen. C. will mit Hilfe ihres Petrus das Französische erlernen.

(Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenFrüher: Berlin, Staatsbibliothek, Slg. Autographa; zuvor Autographensammlung Meusebach

Irenaeus: vielleicht der (allerdings schon 1551 verstorbene) Jurist Matthäus I.
Person ÜBERCamerarius, Anna <gest. 1573> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Sebisch, Melchior <I., 1539-1625> [Erwähnte Person] [gesichert]
Neustetter, Erasmus <1522-1594> [Erwähnte Person] [gesichert]
Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, II., 1527-1576> [Erwähnte Person] [gesichert]
Crato von Krafftheim, Johannes <1519-1585> [Erwähnte Person] [gesichert]
Chytraeus, David <1531-1600> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Claude <Aumale, Duc, II., 1526-1573> [Erwähnte Person] [gesichert]
SchlagwortKleidung
Ungarn
Dritter Hugenottenkrieg <1568-1570>
Politik
Vorzeichen
Französisch
Sprachunterricht
Blitz
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