Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Biblioteka Jagiellońska <Krakau> / Oddział Rękopisów / Berlinka
SignaturAutografy (K. 29), Camerarius II
LiteraturHelga Döhn: Die Sammlung Autographa der ehemaligen Preussischen Staatsbibliothek zu Berlin : Autographenkatalog auf CD-ROM, Wiesbaden 2005 (Katalogisat)
Genre Privatbriefe
KorrespondenzArzt an Verwandter
Person VONCamerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANCamerarius, Philipp <I., 1537-1624> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen1 1/2 S.
Entstehungszeit21.11.1567 [o.J.; Eingangsvermerk: 3. Dezember 1567]
AbsenderortNorimb[ergae] (Nürnberg) [gesichert]
ZielortStraßburg [gesichert]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe Dank für zwei Briefe, aus deren letzterem C. erfahren hat, daß Philipp den Silberfaden richtig erhalten hat. Dieser wird gewiß der Ehe [vermutlich zwischen Barbara Gremp und Eberhard Schenk; vgl. Brief vom 2.9.1567] zuträglich sein. Was die übrigen Dinge angeht, ist er mit Philipp darüber betrübt, daß sie nicht ganz nach ihren Erwartungen verlaufen sind. Durch frommes Gebet wird er aber sein Ziel erreichen, zumal Philipp eigentlich nur einen ruhigen Ort sucht. Auch der Vater macht sich Sorgen, denn er schreibt [das folgende wörtlich]: "Mir wäre es lieb, wenn Philipp und Ludwig bald, etwa zur Frankfurter Messe, kommen könnten (falls es möglich ist, so lange zu warten), damit wir gemeinsam beratschlagen, was mit ihnen werden soll. Was genau das sein wird, wird die Zeit weisen." Philipp soll C. schreiben, was er darüber denkt. Jene Arbeit bei [Name unleserlich] wäre wohl nicht lukrativ, und die Drucker würden sie ihrer Art nach spärlich entlohnen. Bis zur Reise zu den Eltern hätte Philipp aber noch viel Bedenkzeit. Er klagt auch über seine schwache Gesundheit, was C. selbst nicht unbekannt ist. Mit der richtigen Lebensweise und Gottes Hilfe wird es aber gehen. Philipps Brief an Roggenbach hat er übergeben; dieser will im Gegenzug ein kleines Geschenk senden.

In Nürnberg herrscht beträchtliche Teuerung, und C. ist überdies gezwungen gewesen, einen Teil seines Hausstandes neu zu kaufen, da vieles an seine Stiefkinder [privigni liberi, offenbar Kinder seiner verstorbenen Frau Justine Bernbeck aus vorherigen Ehen] zurückgegeben werden mußte. Daher mußte er zu den bisherigen 100 Talern [?] noch einen weiteren Kredit in gleicher Höhe bei Ulrich Copus aufnehmen, um den Sohn Hieronymus zu versorgen. Weitere Geldsorgen. Herr Christoph [viell.: Gugel] ist schon in Augsburg; C. wird sich mit ihm wegen Philipps Plänen beraten. An ihren Bruder Ludwig hat er auch geschrieben und ihn gemahnt, sorgfältig und vorsichtig vorzugehen. Er soll nach Möglichkeit durch die Schweiz zu Philipp reisen. C. wird in dieser Angelegenheit die Hilfe des Arztes Henricus Stapedius in Lyon in Anspruch nehmen, der ihm sehr freundlich geschrieben hat und auch Philipp grüßen läßt. Währenddessen will der Vater wissen, ob der Bruder [Ludwig] nicht den Doktortitel anstreben soll. C. rät ab, da er weiß, daß Ludwig dazu keine besonderen Kräfte besitzt.

Über die Entwicklungen in Frankreich kennt C. aus Nürnberg nichts anderes, als was Philipp schon geschrieben hat - außer daß der Herzog von Alba aus den Niederlanden an jemanden hier [huc offenbar = in Nürnberg] geschrieben hat, den er nicht nennen darf, mit der Aufforderung, seine Sache dort zu vertreten. Ferner hat Alba geschrieben, er besitze einen Brief des Königs von Frankreich mit dessen Dank für Albas militärische Hilfe in Form niederländischer und spanischer Soldaten. Weiter schreibt Alba, er habe nun genügend Kräfte gegen seine Feinde gesammelt und erwarte täglich auch die Ankunft der Italiener. Ein anderer Fürst (mit dem Roggenbach, wie Philipp weiß, viel zu tun hat) berichtet nach Nürnberg, es sei sicher, daß am 17. November 6000 deutsche Reiter den Rhein überschreiten werden. Philipp weiß darüber vermutlich mehr und kann das Gesagte auch Hubert mitteilen. Möge Gott diesen gefährlichen, auch Deutschland involvierenden Krieg besänftigen!

Den Eltern geht es wie vordem. Grüße an Sebald.

(Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenFrüher: Berlin, Staatsbibliothek, Slg. Autographa; zuvor Autographensammlung Meusebach

Neben der Adresse: "bey h. doctor Sebaldt Hauenreutter"

nach Möglichkeit durch die Schweiz: Tatsächlich befand er sich nach einer Mitteilung Bezas an den älteren Camerarius bereits Ende November in Genf.

Der Brief des Stapedius vom 6.10.1567 mit dem Bericht über den Ausbruch von Unruhen in Frankreich und Nachrichten über Ludwig Camerarius ist erhalten in Erlangen, UB, Trew Stapedius Nr. 1 [= diese Datenbank, Brief Nr. 47359].

Hubert: wohl Hubert Languet, nicht dagegen Hubertus Giphanius oder Konrad Hubert
Person ÜBERHauenreuter, Sebald <1508-1589> [Dokumentierte Person] [gesichert]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Ludwig <I., 1542-1582> [Erwähnte Person] [gesichert]
Roggenbach, Georg <1517-1581> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
Gugel, Christoph <1499-1577> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
Stapedius, Heinrich <d.Ä., c. 1531-1587> [Erwähnte Person] [gesichert]
Fernando <Alba, Duque, III., 1507-1582> [Erwähnte Person] [gesichert]
Languet, Hubert <1518-1581> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
SchlagwortGeld
Frankreich
Politik
Militär
Niederlande
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