Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Biblioteka Jagiellońska <Krakau> / Oddział Rękopisów / Berlinka
SignaturAutografy (K. 77), Hauuenreuter J.
EditionshinweisJohann Georg Schelhorn: De vita, fatis ac meritis Philippi Camerarii I[uris]c[onsul]ti, historici ac philologi pereximii et primi Academiae Altorfinae procancellarii, commentarius, Nürnberg: Seitz & Zell, 1740, 187 f. (stark gekürzt; datiert: 20.11.1594)
LiteraturHelga Döhn: Die Sammlung Autographa der ehemaligen Preussischen Staatsbibliothek zu Berlin : Autographenkatalog auf CD-ROM, Wiesbaden 2005 (Katalogisat)
Genre Brief allgemein
KorrespondenzArzt an Gelehrter
Person VONHauenreuter, Johann Ludwig <1548-1618> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANCamerarius, Philipp <d.Ä., 1537-1624> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen1 1/2 S.
Entstehungszeit20.11.1584 [Eingangsvermerk: 3. Dezember]
AbsenderortArgentorato (Straßburg) [gesichert]
ZielortNürnberg [gesichert]
Sprache Latein
LandFrankreich
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe H. habe sich über den Gruß gefreut, den der sehr berühmte Herr Dr. Reusner – H.s Kollege, der sehr gebildet und H. sehr zugetan sei – ihm von C. ausgerichtet habe. H. habe bereits C.s sehr angenehmen Brief erhalten. Dieser bestärke einerseits ihre Freundschaft, an der H.s Ehrerbietung C. gegenüber niemals Zweifel aufkommen lasse. Andererseits habe er H. Gelegenheit gegeben, an C. zu schreiben. Da nämlich C.s Wohltaten H. gegenüber, an die er sich täglich erinnere, so zahlreich seien, vertraue H. darauf, von C. alles Mögliche erwarten zu können. Deshalb glaube H. auch, dass er – obwohl er wisse, dass C. sehr beschäftigt sei – sich um des öffentlichen Nutzens willen herausnehmen könne, zwei Dinge zu erbitten, ohne dabei unverschämt zu wirken.

Das eine habe H. in seinem letzten Brief, so glaube er, schon erwähnt: Er bitte darum, dass um der Studierenden willen die gesammelten Schriften von C.s Vater, Herrn Joachim Camerarius, eines sehr berühmten und immer in dankbarer Erinnerung zu bewahrenden Mannes, im Druck herausgegeben würden. H. stelle fest, dass von vielen danach verlangt werde, jedoch nur wenige Schriften greifbar seien. H. jedenfalls halte sie für sehr wichtig und des ewigen Andenkens für würdig.

Zur zweiten Bitte komme H., weil er von einigen gehört habe, dass es in der Bibliothek von C.s Vater griechische Handschriften gebe, die noch nicht herausgegeben worden seien. Wenn sich unter diesen auch die griechische Paraphrase des Theodorus Metochites zu Aristoteles‘ Physik finde, so bitte H. inständig darum, dass ihm diese für wenige Tage ausgeliehen werde. H. habe nämlich eine lateinische Version von Gentianus Hervetus, die 1559 in Basel herausgegeben worden sei. Er habe aber festgestellt, dass sie an vielen Stellen mit dem griechischen Kodex verglichen werden müsse. Wenn H. diesen haben könnte, würde er ihn baldmöglichst unversehrt zurückgeben.

H. habe schon lange gehofft, über dies und anderes einmal persönlich mit C. sprechen zu können, doch verzögere sich dies immer mehr, besonders wegen des gebrechlichen Alters von H.s Vater, der wegen der Schwäche seiner Füße nicht mehr aus dem Haus gehen könne. Ansonsten gehe es ihm aber gut. Meistens sei es seine einzige Freude, sich an H.s Kindern und Gesprächen zu erfreuen. H.s Vater grüße C. und dessen Bruder, Herrn Dr. Joachim, ehrerbietig.

Den Brief, welcher dem an H. gerichteten beilag, habe er Herrn Dr. Lobetius übergeben lassen.

Auch sie [in Straßburg] hätten durch Gottes Gnade ein ausreichend fruchtbares Jahr gehabt, vor allem was Wein betreffe. Zweifellos wisse C. [aber], welche Angst sie [in Straßburg] hätten, dass von seiten des Bischofs und den katholischen Kanonikern des Münsters Aufruhr entstehe, weil der Domschatz heimlich fortgebracht worden und drei evangelische Mitkanoniker aus deren Domkapitel ausgeschlossen worden seien, nämlich Wittgenstein, Solms und Winenberg. Ihnen habe sich als vierter Mansfeld angeschlossen. Aus diesem Grund werde bereits ein Konvent in Schlettstadt abgehalten, wohin die Stände des Elsass vom Straßburger Bischof gerufen worden seien. Bisher sei aber nichts beschlossen worden. Gott möge bewirken, dass alles in Eintracht ende. H. erbitte dies vor allem wegen ihrer Schule, die sehr gut besucht sei.
C. möge möglichst gut und lange leben und zusehen, dass er H. weiterhin als Patron beistehe.

(Viktoria Kaiser)
BemerkungenFrüher: Berlin, Staatsbibliothek, Slg. Autographa; zuvor Autographensammlung Meusebach
URLSchelhorn, De vita, fatis ac meritis Philippi Camerarii commentarius (1740)
Person ÜBERReusner, Nikolaus <1545-1602> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Erwähnte Person] [gesichert]
Hauenreuter, Sebald <1508-1589> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Joachim <II., 1534-1598> [Erwähnte Person] [gesichert]
Lobetius, Johannes <1524-1601> [Erwähnte Person] [mutmaßlich]
Aristoteles <384-322 v. Chr> [Werktitel Person]
Theodorus <Metochita, 1270-1332> [Werktitel Person]
Hervet, Gentian <1499-1584> [Werktitel Person]
WerktitelTheodori Metochitae in Aristotelis physicorum, sive naturalium auscultationum libros octo, et parva, quae vocantur naturalia, paraphrasis longe doctissima
SchlagwortNachlass
Privatbibliothek
Griechische Philologie
Ausleihe <Handschrift>
Konfession
Münster <Straßburg>
Straßburg <Hochstift>
Politik
Schlettstadt
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