Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
EditionshinweisJoachim Camerarius [II.] / Philipp Camerarius (Hgg.): Ioachimi Camerarii Bapenbergensis epistolarum familiarium libri VI, Frankfurt: Wechels Erben, 1583 [VD16 C 413; ND Wien 2006], 328-331
Genre Brief allgemein
KorrespondenzGelehrter an Arzt
Person VONCamerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANSturtz, Georg <1490-1548> [Adressat/in] [gesichert]
Entstehungszeit22.01.1544 [11. Cal. Febr. [o.J.]; zur mutmaßl. Jahresangabe s. Bemerkung]
AbsenderortLeipzig [ermittelt]
Sprache Latein
LandDeutschland
AusreifungsgradDruck
Inhaltsangabe Bevor C. mit einer Bitte an St. herantrete, wolle er zunächst auf dessen Schreiben antworten. Die Neujahrswünsche seien ihm und seiner Familie sehr willkommen, und man erwidere sie gleichermaßen. Die von St. gesuchten Bücher könne er [in Leipzig] nicht finden. Die Dialoge [nicht identifiziert] des [Petrus] Alcyonius solle es aber geben, und er hoffe sie bald zu bekommen. Die Abhandlung des Lazare de Baïf über die Seefahrt sei erhältlich, St. kenne sie wohl bereits. Schwieriger sei es mit dem Buch des Leonardus aus Florenz und dem Masurius [nicht identifiziert], doch werde C. weiter danach suchen. Die "Anatomie" des Vesalius besitze St. gewiß, und C. wünsche dessen Ansicht darüber zu erfahren. [329] C. habe eigentlich zu St. reisen wollen (expatiari), doch hielten ihn private und dienstliche Verpflichtungen davon ab. Er hoffe die Reise im Frühling nachzuholen. Bei ihnen herrsche Ruhe, die Angst vor der Pest lege sich langsam. Über die Lage in seiner Heimat [Bamberg] sei er jedoch im unklaren und bitte St. deshalb, sein Haus in Erfurt, das er ihm früher so freundlich geöffnet habe, im Falle einer Epidemie im Fränkischen der Familie seines Bruders [Hieronymus Kammermeister] öffnen zu wollen. Wenn es gewünscht werde, könne C. dann auch dazustoßen. Behage St. dies nicht, solle er es nur sagen.

Ein anderes sei vielleicht schwieriger zwischen ihnen beiden ausmachen, und St. solle sich die Antwort gut überlegen. Ein Sohn von St.s Bruder sei zum Studium der Artes und der Rechte [nach Leipzig] gekommen, und zwar mit Erlaubnis seines Landesherrn, des Rigaer Erzbischofs Wilhelm. Von diesem habe der junge Mann auch Briefe für St. und seinen Bruder mitgebracht. Wilhelms Ansinnen sei, daß jener den Doktor der Rechte erwerben und dann zu ihm zurückkehre. Als er von der Freundschaft zwischen C. und St. erfahren habe, habe ihm der junge Mann sein Herz ausgeschüttet: Ruhm und Reichtum erwarteten ihn (und er scheine C. auch begabt und fleißig), der Fürst schätze ihn, nur gebe es das Gerücht, daß die Familie Sturtz ihn ablehne. St. wisse zweifellos, daß er der Sohn seines Bruders Johannes sei, geboren in Zeiten legitimer Ehe. Wenn es nun heiße, diese Ehe sei getrennt, so könne der Sohn nichts dafür.

Und - sei das alles überhaupt wichtig, angesichts der Karriere des Sohnes und des Todes des Bruders, seines Vaters, dem der junge Mann zum Verwechseln ähnele? Dieser nun habe nur die eine Bitte: seinen Familiennamen behalten und mit Zustimmung seiner Verwandten führen zu dürfen. Was das Erbe angehe, so stelle jener die Entscheidung ganz der Familie anheim und werde niemals einen Anteil für sich fordern. Kurzum, er sehe eine große Karriere vor sich und bitte nur darum, den genannten Makel tilgen zu können. Dafür habe er C. als Fürsprecher in Anspruch genommen. Angesichts der frommen und wohltätigen Gesinnung der Familie, die er kenne, zweifle C. nicht an deren wohlwollender Entscheidung. Selbst wenn es einen Schatten auf der Ehe des Bruders gegeben haben sollte, so sei dieser eher zu verhüllen als dem Jungen aufzubürden. Er bitte somit eindringlich für diesen, zumal ihnen aus dessen Bitte keinerlei Schaden erwachsen könne. Sollte St. dennoch einen Zweifel hegen, so möge er die Bittschrift nicht fortwerfen, bevor er nicht C. persönlich angehört habe.

(Ulrich Schlegelmilch)
BemerkungenSiehe auch http://wiki.camerarius.de/OCEp_0741

Zur Datierung: Die Erstausgabe von Vesals "Fabrica" erschien 1543.
URLCamerarius, Epistolarum familiarium libri sex (1583)
 Opera Camerarii - Eine semantische Datenbank zu den gedruckten Werken von Joachim Camerarius d.Ä. (1500-1574)
Person ÜBERAlcionio, Pietro <1487-1527> [Erwähnte Person] [gesichert]
Wilhelm <Brandenburg, Markgraf, 1498-1563> [Erwähnte Person] [gesichert]
Sturtz, Johannes <1. H. 16. Jh.> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Hieronymus <1490-1545> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Baïf, Lazare de <1496-1547> [Werktitel Person]
Estienne, Charles <1504-1564> [Werktitel Person]
Vesalius, Andreas <1514-1564> [Werktitel Person]
WerktitelDe re navali libellus
Andreae Vesalii Brvxellensis, Scholae medicorum Patauinae professoris, de Humani corporis fabrica
SchlagwortInterzession
Erfurt
Pest
Ehe <zerrüttete>
Erbschaft
Familienzwist
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