Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)

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Ärztebriefe
Besitzende Institution Öffentliche Bibliothek der Universität <Basel>
SignaturFrey-Gryn Mscr II 8
Blatt264 (neu 254)
EditionshinweisJoachim Camerarius [II.] / Philipp Camerarius (Hgg.): Ioachimi Camerarii Pabepergensis epistolarum libri quinque posteriores, Frankfurt: Palthenius / Fischer, 1595 [VD16 C 412], 440-442
LiteraturUlrich Schlegelmilch: Imagines amicorum. Die Briefausgaben des Joachim Camerarius als literarisch gestaltete Werke, in: Thomas Baier (Hg.): Camerarius Polyhistor, Tübingen 2017, 263-300, hier 294
Genre Brief allgemein
KorrespondenzGelehrter an Arzt
Person VONCamerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Verfasser/in] [gesichert]
Person ANZwinger, Theodor <I., 1533-1588> [Adressat/in] [gesichert]
Umfang, Beilagen1 S.
Entstehungszeit18.09.1568 [Jahr nur im Druck]
AbsenderortViennae Austriacae (Wien) [gesichert]
ZielortBasel [gesichert]
Sprache Latein
LandÖsterreich
AusreifungsgradOriginal
Inhaltsangabe Wann immer C. die herrlichen Erzeugnisse des Verstandes von Z. gelesen und das Lob seines Sohnes Ludwig über Z.‘s Weisheit, Tugend, Gelehrsamkeit, höhere Bildung und über sein außergewöhnliches Wohlwollen ihm [Ludwig] gegenüber gehört habe, da habe C. oft an Z. schreiben wollen. Aber bald habe dies, bald jenes Hindernis seinem Vorhaben im Wege gestanden.

Zur Zeit der Frankfurter Herbstmesse hätte er den festen Vorsatz gefasst, etwas zu schreiben, weil sich zu diesem Zeitpunkt ja die Gelegenheit ergebe, Briefe zu verschicken. Doch da habe er unverhofft eine überraschende Reise auf sich nehmen und hierher [nach Wien] kommen müssen. Denn seine Kaiserliche Majestät habe seine Anwesenheit gnädigst erbeten. Während er aber hier (an einem ihm ganz unwahrscheinlichen Ort) nun schon zehn Tage herumsitze, und zwar meistens bei dem ehrenwerten Herrn Crato, der ein großer Freund Z.s sei, seien sie im Gespräch mehrfach in ganz ehrenvoller und für C. erfreulicher Weise auf ihn zu sprechen gekommen. Auch habe C. erfahren, dass nach dem Tod seines alten und besten Freundes Johannes Oporinus (er habe diese zutiefst traurige Botschaft erhalten) Z. nun die Aufsicht über die von diesem hinterlassene Offizin obliege. Zuerst habe er es also für nötig erachtet, etwas an Z. zu schreiben und dadurch mit ihm Freundschaft zu schließen. Auch habe er geglaubt, dass dieses Herantreten an einen gelehrten Herrn diesem nicht unangenehm sein werde. "Die Zikade sei der Zikade" [freund; nach Theokrit 9, 31]: Weil ihre Gesänge harmonierten, so müsse auch die Ausübung gemeinsamer Wissenschaften zwangsläufig den einen dem anderen empfehlen. Dies also solle die Grundlage ihrer Bekanntschaft sein, wie Z. hoffentlich ohne Umstände gestatten werde.

Im übrigen müsse C. mit der Bitte an ihn herantreten, in Erfahrung zu bringen, was mit seiner Chronologia Nicephori und seinem Plautus [einer geplanten, aber nicht erschienenen Neuausgabe; vgl. Bemerkung] geschehe. Denn er wolle nicht, dass die an Oporinus geschickten Bücher verloren gingen. Auch wolle er, dass auch Oporinus selbst geehrt werde. Einen Widmungsbrief an ihn habe er den plautinischen Komödien vorangestellt. Denn er denke nicht so schlecht von seinen Büchern, dass niemand, wie er glaube, durch sie einen guten Ruf gewinnen könne. Die Chronologie habe verbessert werden müssen und das Buch werde, wie es heiße, viel nachgefragt. Auch C. wolle natürlich, dass das Buch neu ediert werde.

Z.‘s humanitas werde sicher zulassen, dass man ihm die folgende Aufgabe übertrage, und um C.s willen werde er sie auch gerne auf sich nehmen: Zunächst möge er sich um die Edition der genannten Bücher kümmern, falls dies auf die rechte Weise bewerkstelligt werden könne. Falls nicht, solle Z. zusehen, dass die Bücher nicht verloren gingen.

Da die Kuriere gedrängt hätten und C. recht oft gestört worden sei, habe er den Brief in Eile verfasst. Z. möge ihm das nachsehen.

(Manuel Huth)
BemerkungenZu der von Camerarius seit 1566 geplanten Neuausgabe des Plautus vgl.: http://wiki.camerarius.de/Plautus,_Comoediae_viginti,_(unver%C3%B6ffentlichte_Neuauflage)
URLCamerarius, Epistolarum libri quinque posteriores (1595)
 Camerarius I. an Zwinger, 18.9.15[68] - e-manuscripta
 Opera Camerarii - Eine semantische Datenbank zu den gedruckten Werken von Joachim Camerarius d.Ä. (1500-1574)
Person ÜBERCamerarius, Ludwig <1542-1582> [Erwähnte Person] [gesichert]
Oporinus, Johannes <1507-1568> [Erwähnte Person] [gesichert]
Crato von Krafftheim, Johannes <1519-1585> [Erwähnte Person] [ermittelt]
Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, II., 1527-1576> [Erwähnte Person] [gesichert]
Camerarius, Joachim <I., 1500-1574> [Werktitel Person]
Nicephorus <c. 750-828> [Werktitel Person]
WerktitelNicephori Archiepisc. Const. Chronologia secundum Graecorum rationem temporibus expositis
SchlagwortMesse <Frankfurt am Main>
Nachlass
Edition
Reise
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